Hormone, Nieren, Schilddrüsen: Manche Erkrankungen lassen den Blutdruck steigen

Krankheiten sind nur selten schuld.
Nur bei etwa 5 von 100 Betroffen finden Ärzte die Ursache des Bluthochdruck. Meist bringt eine Fehlfunktion von Körperdrüsen den Hormonhaushalt durcheinander, worunter dann auch Herz und Kreislauf leiden. Der Fachausdruck für diese Fälle lautet "sekundärer Bluthochdruck".

Kann der Arzt diese Störungen beheben, fällt meist auch der Blutdruck auf normale Werte zurück. Der sekundäre Bluthochdruck wird daher anders behandelt als die wesentlich häufigere Variante, die essenzielle oder primäre Hypertonie - hier spielen Lebensgewohnheiten eine entscheidende Rolle.

Sekundärer Bluthochdruck

Hormone haben einen starken Einfluss auf den Blutdruck, und Störungen in Drüsengeweben sind daher häufig Ursache der Erkrankung. Eine wichtige Rollen spielen hierbei die Nebennieren, aber auch die Schilddrüse und die Hirnanhangdrüse können betroffen sein. Zu den eher seltenen Auslösern gehören Störungen in Blutgefäßen, Nebenwirkungen von Medikamenten, chronische Schlafstörungen und die Hormonumstellung während der Schwangerschaft.

Hormonstörungen

Primärer Hyperaldosteronismus

Das Hormon Aldosteron reguliert die Flüssigkeitsmenge im Blut und damit den Blutdruck. Produziert wird es in der Rinde der Nebennieren, zwei kleinen Drüsen von etwa vier Zentimeter Durchmesser, die am oberen Ende der Nieren aufsitzen.

Funktionsstörungen der Nebennieren können dazu führen, dass zu viel Aldosteron freigesetzt wird und der Blutdruck steigt. Als Ursache kommen gutartige Geschwulste - Adenome genannt - oder eine allgemein übersteigertes Wachstum der Nebennieren in Frage. In sehr seltenen Fällen können auch Erbkrankheiten beteiligt sein.

Der primäre Hyperaldosteronismus gilt als einer der häufigsten Ursachen von sekundärem Bluthochdruck. Sind Adenome beteiligt, können sie oftmals minimal-invasiv entfernt werden. Alternativ ist auch eine Therapie mit Mineralokortikoid-Antagonisten möglich; diese Medikamente müssen dann lebenslang eingenommen werden.

Phäochromozytom

In seltenen Fällen bilden sich Tumore im Inneren - dem Mark - der Nebennieren oder in bestimmten Nervenbahnen. Diese meist gutartigen Wucherungen werden Phäochromozytome genannt. Sie produzieren große Mengen der Hormone Adrenalin und Noradrenalin, die unter anderem das Herz und die Blutgefäße stimulieren und so den Blutdruck steigen lassen.

Phäochromozytome treten oft bei jungen Patienten auf, auch weil eine entsprechende Veranlagung familiär vererbt werden kann. Manche Betroffene leiden unter dauerhaft erhöhtem Blutdruck, bei anderen tritt er in unregelmäßigen Abständen auf. Kopfschmerzen, Schweißausbrüche und Herzrasen kommen als weitere Symptome hinzu. Der Tumor wird in der Regel in einer Operation entfernt: Wird er frühzeitig erkannt, sind die Aussichten auf Heilung gut.

Hypercortisolismus oder Cushing-Syndrom

Ein erhöhter Cortisolspiegel im Blut kann ebenfalls Bluthochdruck auslösen. Die Ursache ist meist eine Langzeittherapie mit Cortison-Präparaten (exogenes Cushing-Syndrom), seltener kommen auch Veränderungen von Körperdrüsen in Frage. Bei diesem endogene Cushing-Syndrom sind oftmals die Hirnanhangdrüse (Hypophyse) und die Nebennieren betroffen.

Diese Hormonstörung greift an vielen Stellen in den Stoffwechsel ein, und die Symptome umfassen ungewöhnliche Fettansammlungen im Körper, Veränderung der Haut und Muskelschwund. Als Therapie werden die Ärzte meist versuchen, die Quelle des überschüssigen Cortison aus dem Körper zu entfernen.

Erkrankungen der Schilddrüse

Die Schilddrüse produziert Hormone, die den Stoffwechsel des Körpers steuern. Eine Überfunktion der Schilddrüse steigert die Leistung des Herzens - ein erhöhter Blutdruck ist fast immer die Folge. Aber auch eine andauernde Unterfunktion kann den Blutdruck erhöhen, da die Blutgefäße ihre Elastizität verlieren und so den Kreislauf belasten.

Medikamente können die Funktion der Schilddrüse meist gut regulieren, und in der Regel fällt dann auch der Blutdruck wieder auf normale Werte zurück.

Verengung der Nierenarterie

Zu hoher Blutdruck schädigt die Nieren, aber manchmal ist die Reihenfolge auch umgekehrt: Eine Verengung der Nierenarterien ist dann die Ursache für den Bluthochdruck. Diese sogenannte Nierenarterienstenose setzt eine komplizierte Kaskade (das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System) in Gang, an deren Ende sich Blutgefäße im ganzen Körper zusammenziehen und das Herz zu einer Pumpleistung zwingen.

Es passiert zwar eher selten, dass Nierenarterien einen sekundären Bluthochdruck verursachen, aber das Risiko nimmt aber mit dem Alter zu. Als Therapie können Ärzte das verengte Gefäß mit einem Ballon-Katheter wieder weiten oder einen Bypass um die Nierenarterie legen.

Arzneimittel

Eine unerwünschte Nebenwirkungen mancher Therapien ist die Erhöhung des Blutdrucks. Darunter fallen gängige Medikamente wie Schmerzmittel zur Behandlung von Rheuma, die Antibaby-Pille, einige Appetitzügler und Cortison (siehe Cushing-Syndrom). Aber auch der Konsum des Aufputschmittels Amphetamin oder der Droge Kokain haben einen ähnlichen Effekt.

Schwangerschaft

Auch während der Schwangerschaft kann sich Bluthochdruck einstellen. Nur etwa sechs bis acht Prozent aller Schwangeren sind davon betroffen, aber das Risiko steigt deutlich, wenn Frauen bereits ein Alter von 40 Jahren erreicht oder überschritten haben. Eine Form dieses Hochdrucks wird Präeklampsie genannt: Sie kann ernste Folgen für Mutter und Kind haben und muss daher sorgfältig beobachtet werden.

Schlafapnoe

Eine Verengung der oberen Atemwege ist eine der Ursachen einer schweren Schlafstörung, die obstruktives Schlafapnoe-Syndrom genannt wird. Die Atmung ist dann stark erschwert und führt zu einem Sauerstoffmangel, der die Betroffenen nachts mehrfach aus dem Schlaf reißt. Dem Körper fehlen die Erholungsphasen, was auch den Kreislauf in Mitleidenschaft zieht: Diese Belastung ist auch ein Risikofaktor für Bluthochdruck.

Quellen und weiterführende Literatur:

  • Bluthochdruck (Hypertonie): Diagnose, Apotheken Umschau, Fassung vom 17.2.2016 (Link)
  • Diagnostik einer endokrinen Hypertonie: Wann screenen, und mit welchem Test? E. Fischer et al., Deutsche medizinische Wochenschau 2011 (Download)