Blutdruck & Medizin

AT1-Antagonisten blockieren ein Hormon und weiten die Gefäße

AT1-Antagonisten hemmen die Wirkung des Hormons Angiotensin II, entspannen die Gefäßmuskulatur und senken den Blutdruck. Nebenwirkungen sind eher selten und meist harmlos.

AT1-Antagonisten hemmen die Bindung des Hormons Angiotensin II an den AT1-Rezeptor

AT1-Antagonisten, auch Sartane genannt, gehören zur jüngsten Generation von Blutdrucksenkern: Erst Mitte der 1990er Jahre kam mit Losartan der erste Wirkstoff auf den Markt. Heute sind sie in Deutschland nach den ACE-Hemmern die am zweithäufigsten verordneten Klasse von Blutdruckmedikamenten1.

AT1-Antagonisten hemmen die Bindung des Hormons Angiotensin II an den AT1-Rezeptor

Neben der Bezeichnung AT1-Antagonist und Sartan sind noch weitere Namen gebräuchlich: AT1-Blocker, AT1-Rezeptorblocker, Angiotensin1-Rezeptorblocker, AT1-Rezeptorantagonisten, Angiotensin-II-Rezeptorantagonisten oder Angiotensin-II-Rezeptor-Subtyp-1-Antagonisten.

Der Nutzen – senken Krankheitsrisiken und die Sterblichkeit

AT1-Antagonisten wirken ähnlich wie ACE-Hemmer und haben einen ähnlichen Nutzen2: Sie verringern das Risiko, einen Herzinfarkt, Schlaganfall und schwere Nierenerkrankungen zu erleiden. Zudem senken sie die Sterblichkeit nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie die Gesamtsterblichkeit. Sie vermindern vermutlich auch das Risiko von Typ-II-Diabetes bei Menschen, die unter dem metabolischen Syndrom leiden3.

Große klinische Studien, die die Wirksamkeit von AT1-Antagonisten im Vergleich zu Placebo-Kontrollen belegen, bleiben allerdings Mangelware. Dennoch sehen Experten den Nutzen für AT1-Antagonisten bei der Behandlung von Bluthochdruck als ausreichend belegt an.

Weiterhin werden werden AT1-Antagonsiten auch für die Behandlung von Herzschwäche und diabetischer Nephropathie eingesetzt.

Vorteile und Nachteile im Vergleich zu anderen Blutdrucksenkern werden von Ärzten unterschiedlich bewertet. Die unabhängige Cochrane Stiftung empfiehlt niedrigdosierte Thiaziddiuretika4, die Europäische Gesellschaft für Kardiologie (ESC) hingegen eine Kombination von AT1-Antagonisten oder ACE-Hemmern mit Calciumantagonisten und/oder Thiaziddiuretika5. Entscheidend ist letztlich die Empfehlung des eigenen Arztes, da die Wahl der passenden Blutdrucksenker sehr von individuellen Faktoren und Begleiterkrankungen abhängt.

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Der Wirkmechanismus – Blockade des Rezeptors für Angiotensin II

AT1-Antagonisten blockieren die Wirkung des Hormons Angiotensin II, das die Blutgefäße verengt und dabei den Blutdruck erhöht. Um seine Wirkung zu entfalten, muss Angiotensin II an einen Rezeptor auf den Zellen der Gefäßmuskulatur andocken, den Angiotensin-II-Rezeptors vom Subtyp 1 (AT1). AT1-Antagonisten setzen sich auf diesem Rezeptor fest, verhindern die Bindung des Hormons und senken dabei den Blutdruck.

Angiotensin II ist Teil einer Hormonkaskade, dem Renin-Angiotensin-Aldosteron-System. Auch ACE-Hemmer greifen in diese Hormonkaskade ein: Sie verhindern allerdings nicht die Bindung, sondern die Erzeugung von Angiotensin II.

AT1-Antagonisten haben daher gegenüber ACE-Hemmern zwei große Vorteile: Sie blockieren nicht die Wirkung eines anderen Angiotensinrezeptors (Subtyp 2), dem eine positive Wirkung auf das Gefäßsystem zugeschrieben wird. Und sie haben keine unerwünschten Wirkungen auf das Hormon Bradykinin, wodurch ein trockener Reizhusten als Nebenwirkung (typisch für ACE-Hemmer) seltener eintritt.

Risiken und Nebenwirkungen – meist gut verträglich

AT1-Antagonisten haben eher selten Nebenwirkungen, deren Verlauf zudem meist harmlos ist6. Sie werden von den Patienten meist besser angenommen als andere Blutdrucksenker5. Im Vergleich zu ACE-Hemmern kommt es auch wesentlich seltener zu trockenem Reizhusten. Der anfängliche Verdacht, dass AT1-Antagonisten das Risiko von Krebs erhöhen, hat sich nicht bestätigt7. Auch die Gefahr einer Covid-19-Infektion wird durch AT1-Antagonisten wohl nicht erhöht10.

Nur in sehr seltenen Fällen kommt es zu schweren allergische Reaktionen und Angioödemen, die das Herbeirufen eines Notarztes erforderlich machen können.

Eher harmlos

Nebenwirkungen, die das Wohlbefinden zum Teil erheblich einschränken, aber nicht lebensbedrohlich oder mit langfristigen Schäden verbunden sind. Unmittelbare ärztliche Maßnahmen sind nur selten erforderlich.

  • Kopfschmerzen (10 von 100 Behandelten)
  • Magen-Darm-Beschwerden (1-10 von 100 Behandelten)
  • Müdigkeit (etwa 1 von 100 Behandelten)

Bedenklich

Nebenwirkungen, die bei wiederholtem Auftreten oder langer Dauer mit gesundheitlichen Problemen einher gehen können. In hartnäckigen Fällen Rücksprache mit dem Arzt halten.

  • trockener Husten (1 von 100 Behandelten)
  • Schwindel (1-10 von 100 Behandelten)
  • allergische Reaktionen der Haut (1 von 1000 Behandelten)
  • verschlechtere Nierenfunktion: Ödeme in den Beine, verringerte Ausscheidung von Urin, Atemnot

Potenziell lebensbedrohlich

Sehr seltene akute Anfälle, die das Leben gefährden können. Sofort mit einem Arzt oder Notarzt Kontakt aufnehmen.

  • starke allergischen Reaktionen: Wenn die allergischen Hautreaktionen zunehmen und zusätzlich Herzrasen, Atemnot und Schwindel auftritt, sollte sofort der Notarzt gerufen werden.
  • Angioödeme: Schwellungen an den Schleimhäuten von Zunge, Rachen und Mundbereich können zu einer lebensbedrohlichen Atemnot führen. Sofort den Notarzt rufen.

Ausführliche Informationen zu Gegenanzeigen und Unverträglichkeiten finden sich bei der Stiftung Warentest6 und den Beipackzetteln der einzelnen Präparate8.

Gegenanzeigen – nicht in der Schwangerschaft

Während der Schwangerschaft dürfen AT1-Antagonisten nicht eingenommen werden, da sie das ungeborene Kind schädigen können9. Auch in der Stillzeit wird von einer Einnahme abgeraten.

Wer bereits zuvor ein Angioödem (Quincke-Ödem) entwickelt hat, etwa ausgelöst durch die Einnahme von ACE-Hemmern, sollte auf AT1-Antagonisten verzichten. Das gleiche gilt bei einer Verengung der Nierenschlagader oder Störungen der Leberfunktion.

AT1-Antagonisten (Sartane) dürfen nur in Ausnahmefällen mit ACE-Hemmern kombiniert werden, weil das Risiko von Nebenwirkungen steigt und die Nieren geschädigt werden können. Auch bei weiteren Medikamenten kann es zu Komplikationen kommen.

Die Kosten – etwa 12 Cent für eine Tagesdosis

Da AT1-Antagonisten verschreibungspflichtig sind, zahlen Patienten nur den gesetzlich vorgeschriebenen Eigenanteil (höchstens 10 Euro). Eine Tagesdosis des reinen Wirkstoffs kostet durchschnittlich 0,12 Euro und ist damit vergleichsweise günstig. Im Jahr 2022 wurden insgesamt etwa 4 Milliarden Tagesdosen verschrieben, die Kosten summierten sich auf fast 500 Millionen Euro1.

Eine Tagesdosis AT1-Antagonisten kostet etwa 12 Cent Eine Tagesdosis AT1-Antagonisten kostet etwa 12 Cent

Kombipräparate, die AT1-Antagonisten mit Calciumantagonisten oder Diuretika in einer Tablette vereinen, sind jedoch deutlich teurer: Eine Tagesdosis kostet durchschnittlich 0,88 Euro. Sie werden daher deutlich seltener verordnet, obwohl diese Kombination von der Europäische Gesellschaft für Kardiologie (ESC) für die Behandlung von Bluthochdruck empfohlen wird.

Wichtiger Hinweis
Dieser Artikel gibt den aktuellen Stand des Wissens wieder. Er enthält jedoch nur allgemeine Hinweise, die nicht für eine Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung geeignet sind. Einen Arztbesuch kann er auf keinen Fall ersetzen.

Quellen und weiterführende Literatur

  • 1 Wissenschaftliches Institut der AOK (WIdO), PharMaAnalyst, abgerufen Februar 2024 (Link)
  • 2 Messerli et al., Angiotensin-Converting Enzyme Inhibitors in Hypertension, Journal of the American College of Cardiology, 2018 (Link)
alle Referenzen anzeigen
  • 3 Deutsche Hochdruckliga e.V., Eine gute Blutdruckeinstellung kann Typ-2-Diabetes vorbeugen, Pressemitteilung, Dezember 2021 (Link)
    • 4 Wright et al., First-line drugs for hypertension, Cochrane Database of Systematic Reviews 2018 (Link)
    • 5 European Society of Cardiology (ESC), ESC/ESH Guidelines for the management ofarterial hypertension, European Heart Journal 2018 (Link)
    • 6 Stiftung Warentest, Blut­druck­senker im Test: Mit diesen Wirk­stoffen lässt der Druck nach, Stand Februar 2024 (Link)
    • 7 Deutsche Ärztezeitung, Bluthochdruck: Krebs durch Sartane? EMA gibt Entwarnung, Oktober 2011 (Link)
    • 8 SCHOLZ Datenbank, Arzneimittelinformationen auf einen Klick, beipackzettel.de (Link)
    • 9 Oberthür et al., Schwangerschaft – Sartane: Ein Risiko für Ungeborene, Deutsches Ärzteblatt, Februar 2010 (Link)
    • 10 COVID-19: ACE-Hemmer/Sartane laut Studie nicht für schweren Verlauf verantwortlich, Deutsches Ärzteblatt, April 2020 (Link)
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